DER PREDIGER

  

1

Die Worte des Predigers, Sohn von David, König von Jerusalem.

 

Eitelkeit über Eitelkeiten, sagt der Prediger, Eitelkeit über Eitelkeiten, alles ist Eitelkeit. Was nutzt dem Menschen all seine Arbeit die er tut unter der Sonne? Eine Generation vergeht und eine andere kommt. Nur die Erde bleibt für immer.

Die Sonne geht auf und sie geht unter und geht wieder dorthin wo sie aufgeht.

Der Wind weht nach Süden, dann nach Norden, er wirbelt immerzu herum und startet wieder nach seinen Kreisen.

Alle Flüsse laufen ins Meer. Doch das Meer ist nicht voll. Von da, wo der Fluß herkommt, da führt er auch wieder hin.

Alle Dinge sind voll von Arbeit, es läßt sich nicht leugnen: Das Auge ist nicht zufrieden zu sehen, das Ohr ist nicht zufrieden zu hören.

Das, was gewesen ist, ist das was sein wird. Das was getan ist, ist das, was getan werden soll. Es gibt nichts Neues unter der Sonne. Gibt es denn irgend etwas, von dem man sagen könnte: Siehe, das ist neu. Es gab es schon in Vorzeiten, die vor uns waren.

Es gibt keine Erinnerung an frühere Dinge. So soll es auch später keine Erinnerungen geben an die Dinge die jetzt sind.

 

Ich gab mein Herz hin um Weisheit zu suchen und herauszufinden, was alles unter dem Himmel geschieht: die saure Arbeit, die Gott den Menschenkindern gegeben hat, daß sie es leiden müssen.

Ich habe die ganze Arbeit gesehen die unter der Sonne getan wird, und, wahrlich, es ist alles Eitelkeit und Verwirrung.

Das, was schief ist, kann nicht gerade gemacht werden. Und Wünsche kann man nicht zählen.

 

Und so sagte ich mir in meinem Herzen, wohlan, ich habe große Besitztümer, und mehr Weisheit als irgendjemand vor mir in Jerusalem, denn ich habe viel erfahren, und ich gab mein Herz, um Wissen zu lernen, und um all den Wahnsinn und die Narreteien kennenzulernen. Aber auch das ist eitel, denn in großer Weisheit ist auch große Trauer, und der, der Wissen anhäuft, sammelt auch Leiden.

 

 

2

Und ich sagte zu meinem Herzen: Wohlan, ich will fröhlich sein, und das Leben genießen; aber auch das ist Eitelkeit. Das Gelächter ist närrisch, und was macht die Fröhlichkeit?

Ich gab mich dem Wein hin und suchte in ihm nach Weisheit, und suchte die Narrheit zu ergründen, um zu verstehen, was gut ist für die Menschenkinder, was sie unter ihrem Himmel tun sollen all ihre Tage lang.

Ich machte mir große Werke: Ich baute Häuser, pflanzte Weingärten, ich legte Bewässerungen an für die Bäume, die Früchte tragen, ich nahm Diener und Mägde und ihre Kinder wuchsen in meinem Haus auf, ich besaß viel großes und kleines Vieh, mehr als je jemand zuvor in Jerusalem. Ich sammelte Silber und Gold, ich umgab mich mit Sängern und Sängerinnen, und den Freuden der Menschenkinder, Musikinstrumente aller Arten. Ich war also groß, aber meine Weisheit behielt ich für mich.

Und was meine Augen ersehnten hielt ich ihnen nicht vor, ich zügelte nicht die Freude in meinem Herzen, denn ich freute mich an all meiner Arbeit, und das war mein Teil.

 

Und dann sah ich auf all die Arbeit meiner Hände und alles was ich getan hatte, und siehe, es war alles Eitelkeit und Verwirrung, und es gab keinen Profit unter der Sonne. Denn was kann der Mann tun, der nach dem König kommt? Nur das, was bereits getan ist.

 

Und ich sah, das Weisheit die Dummheit auslöscht, so wie das Licht die Dunkelheit auslöscht. Der Weise hat Augen in seinem Kopf, aber der Narr wandelt in Dunkelheit, und ein Ereignis trifft sie beide. Und ich sagte mir in meinem Herzen, wenn das den Dummen trifft, dann passiert es auch mir, und wieso war ich dann weiser als er? Auch das ist Eitelkeit. Denn es gibt so wenig ein Erinnern an den Weisen wie ein Erinnern an den Narren für immer, denn was heute ist, wird in den Tagen die kommen vergessen sein. Und wie stirbt der Weise? Als ein Narr.

 

Darum haßte ich das Leben; denn die Arbeit unter der Sonne war schrecklich für mich; denn alles ist Eitelkeit und Verwirrung des Geistes. Ja, ich haßte all meine Arbeit, die ich unter der Sonne tat, denn ich würde sie dem überlassen müssen, der nach mir kam, und wer weiß, ob dies ein Weiser oder ein Narr sei? Und doch soll er herrschen über die Früchte meiner Arbeit, in denen ich mich als weise unter der Sonne gezeigt habe. Das ist auch Eitelkeit.

 

Deswegen ging ich, das mein Herz verachten solle all die Arbeit die ich tat unter der Sonne.

Was hat ein Mensch von all seiner Arbeit und dem Aufruhr in seinem Herzen unter der Sonne? All seine Tage sind Sorgen und Kümmernis, ja, sein Herz ist nicht ruhig in der Nacht. Dies ist auch Eitelkeit.

 

Es gibt nichts besseres für einen Menschen, als daß er ißt und trinkt, und daß er sich selbst in seiner Arbeit genießt. Denn das sah ich auch, das dies von der Hand Gottes ist. Denn Gott gibt dem Menschen Weisheit und Wissen und Freude.

 

3

Es gibt eine Zeit für jeden Zweck unter dem Himmel:

Eine Zeit um geboren zu werden, und eine Zeit zum Sterben, eine Zeit zu pflanzen und eine Zeit zu ernten, eine Zeit zu töten, eine Zeit zu heilen, eine Zeit zu zerstören, und eine Zeit, aufzubauen. Es gibt eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen, eine Zeit zum Trauern und eine zum Tanzen, eine Zeit für Umarmungen und eine Zeit zum Alleine sein. Es gibt eine Zeit, etwas zu bekommen, und eine, etwas zu verlieren, eine Zeit zum behalten und eine zum wegwerfen, eine Zeit zum zerreißen, und eine zum nähen, eine Zeit zu schweigen und eine zu reden.

Es gibt eine Zeit zu lieben und eine Zeit zu hassen, eine Zeit des Krieges und eine Zeit des Friedens.

 

Was hat der, der arbeitet, von seiner Arbeit? Ich habe die Mühen gesehen, die Gott den Menschenkindern auferlegt hat. Aber er hat alles wunderschön gemacht zu seiner Zeit und er hat die Welt in ihre Herzen gelegt, und kein Mensch kann herausfinden, was Gott tut vom Anfang bis zum Ende.

Aber es gibt nichts gutes darin für einen Menschen, außer, sich seines Lebens zu erfreuen und gute Werke zu tun. Und jeder Mensch soll essen und trinken, und das Gute an seiner Arbeit genießen, denn das ist das Geschenk von Gott.

Ich weiß, das, was auch immer er tut, was Gott tut, ist für die Ewigkeit. Nichts kann ihm hinzugefügt werden oder weggenommen.

Das, was war, ist jetzt, und was sein wird war schon gewesen.

 

Und ich sah unter der Sonne den Platz des Gerichts, und Unrecht war dort. Und ich sagte in meinem Herzen, Gott wird die Gerechten und die Üblen richten. Denn es gibt eine Zeit für jeden Zweck und jede Arbeit.

Und ich sah in meinem Herzen den Zustand der Menschenkinder, und wünschte, sie könnten sich selber so sehen, als Tiere. Denn was die Menschenkinder trifft, trifft auch die Tiere: Wie der eine stirbt, so stirbt auch der Andere, ja, sie haben alle einen Atem, also hat der Mensch dem Tier nichts voraus; denn alles ist Eitelkeit, alles geht zum selben Ort, und alles wird wieder zu Staub.

Wer weiß, daß der Geist des Menschen zum Himmel geht, während der Geist des Tieres zur Erde zurückfällt? Deshalb denke ich, es gibt nichts besseres, als sich an seiner Arbeit zu erfreuen, denn das ist sein Anteil: Denn keiner wird ihm sagen, was nach ihm kommt.

 

 

4

Als ich dann zu den Menschen zurückkehrte, sah ich die Macht der Mächtigen und die Ohnmacht der Unterdrückten, die nicht getröstet werden konnten. So sind die Toten gesegneter als die, die noch am Leben sind, und besser als beide ist der, der noch nicht geboren ist, denn er hat noch nicht das Böse unter der Sonne gesehen. Und ich bedachte all die Mühen, das rechte Werk, das den Neid des Nachbarn auf sich zieht, all die Eitelkeit und Verwirrung.

 

Besser ist es, eine Handvoll in Ruhe zu haben, als beide Hände mit Arbeit und Verwirrung.

Und wer alleine ist, und hat keinen zweiten, nicht Kind noch Bruder, für den ist kein Ende der Arbeit, und sein Auge ist nicht zufrieden mit Reichtümern. Für wen arbeitet er, wenn er niemanden hat? Auch das ist Eitelkeit und Verwirrung.

 

Zwei sind besser als einer; sie haben eine Belohnung für ihre Arbeit. Wenn einer fällt, hebt der andere ihn auf. Und wenn zwei zusammen liegen, haben sie es warm. Wie kann einer allein warm sein?

Und zwei können zusammenhalten und eine dreifache Kordel ist nicht schnell gebrochen.

 

 

 

5

Verhaltensregeln für das Haus Gottes

 

Bedecke Deine Füße, wenn Du in das Haus Gottes kommst, und strebe eher danach, zu hören, als das Bekenntnis des Narren abzulegen mit raschem Mund. Dein Herz soll nicht eilig sein, vor Gott zu sprechen, denn Gott ist im Himmel und du auf Erden, also laß Deine Worte wenige sein.

Wenn Du einen Eid vor Gott schwörst, dann halte ihn auch. Besser ist es, du schwörst gar nicht, als das du schwörst und versprichst und das dann nicht einhältst.

Laß nicht deinen Mund dein Fleisch zur Sünde verführen und sprich nicht zu dem Engel, damit Gott nicht Deine Werke zerstört.

 

Sprüche:

 

In vielen Träumen und vielen Worten liegen verschiedene Eitelkeiten; also fürchte du Gott.

 

Wenn Du die Unterdrückung der Armen siehst und die Verdrehung des Rechts, dann wundere dich nicht, denn es gibt einen, der über den Mächtigen steht, und der wird die Sache richten.

 

Der Profit der Erde ist für alle.

 

Wer Silber liebt, kann mit Silber nicht zufriedengestellt werden; wer Reichtum liebt, hat nie genug; es ist alles Eitelkeit.

 

Wenn die guten Dinge wachsen, wachsen auch die, die davon essen. Was ist also gutes daran, die Dinge für die Augen aufzusparen?

 

Der Schlaf des arbeitenden Menschen ist süß, ob er viel ißt oder wenig. Aber der Besitz des Reichen zehrt an seinem Schlaf.

 

Es gibt ein saures Übel, daß ich unter der Sonne gesehen habe, und das ist der Reichtum, den einer für sich selber bewahrt. Aber die Reichtümer verschwinden durch böse Arbeit, und nichts ist in seiner Hand. So nackt wie er aus seiner Mutter Leib auf die Welt kam, so nackt soll er zurückkehren, und er nimmt nichts von seiner Arbeit mit in seiner Hand. In allem geht er so, wie er gekommen ist, und was für einen Gewinn hat er davon, für den Wind gearbeitet zu haben?

 

Siehe, das habe ich gesehen: Es ist gut und angemessen für einen Menschen, zu essen und zu trinken, und das Gute von all seiner Arbeit unter der Sonne zu genießen, alle Tage seines Lebens, die Gott ihm gibt, Denn das ist sein Anteil.

Wenn Gott Dir Reichtümer und Gesundheit gegeben hat, so erfreue Dich daran und an Deiner Arbeit. Das ist das Geschenk von Gott. Gott antwortet in der Freude des Herzens.

 

 

 

6

Wenn einer mit hundert Kindern gesegnet ist, und viele Jahre lebt, aber seine Seele nicht mit Gutem gefüllt ist; er wäre besser nicht geboren.

Denn er kommt mit Eitelkeit und geht mit Dunkelheit, und sein Name soll von der Dunkelheit verschlungen werden. Er hat nicht einmal die Sonne gesehen, oder irgend etwas kennengelernt. Ja, auch wenn er tausend Jahre leben würde, er hat immer noch nichts gutes gesehen. Gehen nicht alle zu einem Ort?

 

Die Arbeit des Menschen ist für seinen Mund, doch sein Hunger ist nicht gestillt.

Besser ist das, was die Augen sehen, als das, wohin die Sehnsucht wandert; das ist Eitelkeit und Verwirrung.

Wer weiß, was für einen Menschen gut in seinem Leben ist, all die Tage seines eitlen Lebens, die er als Schatten verbringt? Denn wer kann einem Menschen sagen, was nach ihm kommt unter der Sonne?

7

 

Ein guter Name ist besser als wertvolles Öl; und der Tag des Todes ist besser als der der Geburt.

 

Es ist besser, in das Haus der Trauer zu gehen, als in das Haus des Festes; denn es ist das Ende aller Menschen, und die Lebenden werden es zu Herzen nehmen.

 

Leiden ist besser als Lachen: denn durch Haltung in der Trauer wird das Herz besser.

 

Es ist besser, die Lehren des Weisen zu hören, als das Lied der Narren.

 

Besser ist das Ende eines Dings, als der Beginn; und der im Geist Ruhende ist besser als der Stolze.

 

Laß nicht Wut durch Deinen Geist eilen; denn Wut ruht im Herzen der Narren.

 

Sage nicht, früher war alles besser als heute! Du hast nicht richtig darüber nachgedacht!

 

Weisheit ist gut zusammen mit einem Erbe. Daraus geht Profit hervor für die, welche die Sonne sehen. Denn Weisheit ist eine Verteidigung und Geld ist eine Verteidigung; Weisheit gibt Leben für den, der sie hat.

 

Bedenke das Werk Gottes: Wer kann das gerade machen, was er krumm geschaffen hat?

 

Alle Dinge habe ich gesehen in den Tagen meiner Eitelkeit: es gibt den gerechten Menschen, der in seiner Rechtschaffenheit untergeht, und den Verschlagenen, der mit üblen Werken seine Tage verlängert. Sei nicht über das Maß gerecht, und sei nicht über das Maß weise; warum solltest Du Dich selber zerstören? Und sündige nicht zu viel, und sei nicht närrisch: Warum solltest Du vor Deiner Zeit sterben?

Es ist gut, daß du dieses begreifst, nimm deine Hand und begreife: Der, der Gott fürchtet, kommt aus allem heraus.

 

Es gibt nicht einen gerechten Menschen auf der Erde, der Gutes tut und nicht sündigt. Also wache nicht über all die Worte, die gesprochen werden, über den Diener, der Dir flucht; denn wie oft hast du nicht selber, dein Herz weiß es, anderen geflucht?

 

Ich sagte, ich will weise sein, aber es war mir fern. Das, was weit weg ist, und in die tiefsten Tiefen geht, wer kann es herausfinden?

 

Hüte Dich vor der Frau, deren Herz Fallen und Netze legt, und deren Hände Fesseln knüpfen. Wer Gott liebt, wird ihr entkommen, aber der Narr wird ihr verfallen.

 

Jo, dies habe ich herausgefunden, das Gott den Menschen aufrecht gemacht hat, aber der Mensch hat viele Wege gefunden, anders zu sein.

 

 

 

8

Wer ist wie ein weiser Mensch? Und wer weiß eine Sache zu interpretieren? Die Weisheit eines Menschen scheint aus seinem Gesicht.

 

Ich rate Dir, die Gesetze des Königs zu befolgen, und zwar als Teil Deines Eides für Gott.

Der König tut, was immer ihm beliebt; du aber gehe nicht schnell aus seinem Blick und bestehe nicht auf einer schlechten Sache.

Wo das Wort des Königs ist, da ist auch Macht, und wer kann ihm sagen: Was tust Du?

Wer Anweisungen befolgt, fühlt Böses nicht;

 

Ein weiser Mensch nimmt Zeit und Urteil wahr. Denn für jeden Zweck gibt es eine Zeit und ein Urteil, deswegen ist das Elend der Menschen groß, die beides nicht kennen: Denn wer sagt ihm, wann die Zeit ist?

 

Es gibt keinen Menschen, der die Macht über die Seele hat, sie zurückzuholen. Es gibt auch keine Macht am Tag des Todes. Und es gibt kein Handeln in diesem Krieg. Und die Sünde rettet nicht die Menschen, die ihr verfallen.

 

Weil die Strafe gegen böses Werk nicht schnell herbeikommt, darum ist das Herz der Menschenkinder so eifrig dabei, böses zu tun.

Doch obwohl ein Sünder hundert mal unrecht tut und trotzdem seiner Tage viele sind, weiß ich sicher, daß es gut mit denen gehen wird, die Gott fürchten. Aber mit den Sündern soll es nicht gut gehen, denn seine Tage sind wie ein Schatten, weil er Gott nicht fürchtet.

 

Aber es ist eitel unter der Sonne: Das ist ein gerechter Mensch das Schicksal eines Übeltäters erfährt, und ein Sünder bekommt den Lohn des Rechtschaffenen ausgezahlt. Das ist auch Eitelkeit.

 

Ich rate zur Fröhlichkeit, denn ein Mensch hat nichts besseres unter der Sonne, als zu essen, zu trinken, und froh zu sein; denn das geht alle seine Tage zusammen mit seiner Arbeit.

 

Als ich mein Herz anwies, Weisheit zu lernen, und zu sehen, was auf der Erde für Geschäfte getan werden, als ich nicht Tag noch Nacht Schlaf gesehen habe, als ich die Größe von Gottes Werk ermaß, da verstand ich: Ein Mensch kann nicht herausfinden, was unter der Sonne getan wird, denn er wird es nicht ermessen, so sehr er auch versucht.

 

 

9

All dies habe ich in meinem Herzen bewegt und sage, das der Rechtschaffene und der Weise und ihre Arbeit ganz in der Hand Gottes liegen; kein Mensch kennt weder Haß noch Liebe von all dem was vor ihnen ist.

Alle Dinge kommen zu jedem gleich: Zu dem Rechtschaffenen und dem Übeltäter, zu dem Guten und Sauberen, und zu dem Schmutzfinken, zu dem der opfert und betet, und zu dem, der das nicht tut. Wie der Gute, so der Sünder, wie der der schwört, und der, der keinen Eid ablegt. Das ist ein Böses unter all den Dingen die getan sind unter der Sonne, das es alle gleich trifft: Das Herz der Menschenkinder ist voll von Bösem und Verwirrung ist in ihrem Herzen solange sie leben, und danach gehen sie zu den Toten.

Für den, der mit allem Lebenden verbunden ist, gibt es Hoffnung: Denn ein lebender Hund ist besser als ein toter Löwe. Denn die Lebenden wissen, daß sie sterben werden, aber die Toten wissen gar nichts, und sie haben auch keine Belohnung, denn die Erinnerung an sie ist erloschen, wie auch ihre Liebe, wie auch ihr Haß und ihr Neid, all das ist nun verschwunden, und sie haben keinen Anteil mehr an irgend etwas, was unter der Sonne geschieht.

Gehe Deinen Weg, esse Dein Brot mit Freuden, und trinke Deinen Wein mit einem fröhlichem Herzen; denn jetzt akzeptiert Gott Deine Tat.

 

Laß Deine Kleidung immer weiß sein, laß Deinem Kopf nicht die Ölung fehlen.

 

Lebe freudvoll mit Deiner Frau, die Du liebst all die Tage Deiner Eitelkeit, die Gott Dir gegeben hat unter der Sonne, denn das ist Dein Anteil in diesem Leben, und an Deiner Arbeit die Du tust unter der Sonne.

 

Was auch immer Deine Hand zu tun findet, tue es mit Kraft; denn es gibt weder Arbeit, noch Mittel, noch Wissen, noch Weisheit in dem Grab, zu dem du einst gehen wirst.

 

Ich kehrte zurück, und sah unter der Sonne, daß das Rennen nicht für den Schnellen ist, die Schlacht nicht für den Starken, das Brot nicht dem Weisen, und Reichtümer nicht den verständigen Menschen, nicht Gunst für dem Fähigen; Zeit und Gelegenheit kommen zu ihnen allen. Denn der Mensch kennt nicht seine Zeit; wie die Fische, die in einem Netz gefangen sind, und wie die Vögel, gefangen in der Falle, so sind die Menschenkinder gefangen in einer bösen Zeit, wenn sie plötzlich auf sie kommt.

 

Diese Weisheit habe ich auch unter der Sonne gesehen, und sie schien mir groß: Da gab es eine kleine Stadt, mit wenigen Menschen in ihr, und es kam ein großer König gegen sie und belagerte sie. Nun gab es in ihr einen armen weisen Mann, der mit seiner Weisheit die Stadt rettete; aber kein Mensch erinnerte sich an den gleichen armen Mann. Da sagte ich: Weisheit ist besser als Stärke, trotzdem wird die Weisheit des armen Mannes verachtet, und seine Worte werden nicht gehört.

 

 

 

10

 

Tote Fliegen geben dem guten Öl des Apothekers ein stinkendes Aroma: So ist eine kleine Narretei für den, der eine Reputation aus Weisheit und Ehre hat.

´

Wenn der Geist des Herrschers sich gegen Dich wendet, verlasse nicht Deinen Platz: Denn Unterwerfung befriedet den Zorn.

 

Es gibt ein Übel das ich gesehen habe unter der Sonne, ein Fehler, der vom Herrschenden ausgeht: Narrheit erhält große Würden, und die Reichen sitzen in niedrigen Plätzen. Ich habe Diener auf Pferden gesehen, und Prinzen die wie Diener auf der Erde wandeln.

 

Der, der anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein, und wer durch eine Hecke bricht, den beißt die Schlange.

 

Wenn das Eisen stumpf ist und Du die Schneide nicht schleifst, brauchst du mehr Kraft: Aber es wäre klug, Weisheit anzuwenden.

 

Ein Narr ist voller Worte. Aber ein Mensch kann nicht sagen, was sein wird, und was nach ihm kommt, wer kann das sagen?

 

Wehe Dir, oh Land, wenn Dein König ein Kind ist und die Prinzen am Morgen essen. Gesegnest bist du, oh Land, wenn Dein König ein Sohn der Noblen ist und Deine Prinzen zur rechten Zeit essen, für Stärke, nicht für Trunkenheit.

 

Durch Nachlässigkeit verfällt das Gebäude, und durch die Faulheit der Hände kommt ein Leck ins Dach.

 

Ein Fest ist fürs Gelächter, und Wein für die Fröhlichkeit, aber Geld ist für alle Dinge.

 

Fluche nicht dem König, nicht mal in Deinen Gedanken, und fluche nicht dem Reichen in deiner Bettkammer: Denn ein Vogel der Luft könnte Deine Stimme tragen, und wer Flügel hat, kann die Sache erzählen.

 

 

11

 

Wenn die Wolken voller Regen sind, leeren sie sich selber auf die Erde; und wenn der Baum zum Süden fällt, oder zum Norden, wo er auch hinfällt, da soll er sein.

Der, der den Wind beobachtet wird nicht säen, und der die Wolken bedenkt, wird nicht ernten. So wie Du nicht weißt, was der Weg des Geistes ist, oder wie die Knochen des ungeborenen Kindes im Mutterleib wachsen, so kennst Du nicht die Werke von Gott, der alles macht.

Am Morgen säe Deine Saaten, und halte am Abend Deine Hand nicht zurück: Denn Du weißt nicht, ob dies oder das aufgeht.

 

Wahrlich, das Licht ist süß und das Auge erfreut sich an der Sonne.

Aber wenn ein Mensch viele Jahre lebt und sich über alle freut; laß ihn auch die Tage der Dunkelheit erinnern, denn ihrer sind viele. Alles, was kommt, ist eitel.

 

Erfreue Dich, junger Mann, an Deiner Jugend, und laß Dein Herz Dir zujubeln in den Tagen Deiner Jugend, und gehe wo Dich Dein Herz hinführt und wohin Deine Augen sehen. Aber wisse, daß für alle Dinge Du Dich vor Gott verantworten mußt. Deshalb werfe die Trauer aus Deinem Herzen und bewahre Dein Fleisch vor Sünde. Denn Kindheit und Jugend sind Eitelkeit.

 

 

12

 

Erinnere Dich jetzt an Deinen Schöpfer, in den Tagen Deiner Jugend, solange die bösen Tage weit sind, und die Jahre fern, an denen Du keine Freude hast.

Solange die Sonne, das Licht, der Mond, die Sterne nicht verdunkelt sind, und nicht die Wolken nach dem Regen zurückkehren.

 

An dem Tag, wo der Torwächter zittert, und die starken Männer sich unterwerfen, wo der Blick aus dem Fenster sich verdunkelt, wo die Türen vor der Straße geschlossen werden, wenn die Mahlwerke nur spärlich mahlen, wenn mit dem Vogel aufgestanden wird und die Tochter der Musik nichts zählt, wenn sie Furcht haben auf dem Weg haben und der Grashüpfer eine Bürde ist und die Sehnsucht vergeblich, weil der Mensch zu seiner langen Heimat geht, und die Trauernden auf die Straße: Wenn die Silberkordel gelöst wird, wenn die goldene Schale zerbricht, wenn das Rad am Brunnen bricht, dann soll der Staub auf die Erde zurückkehren wie er war, und der Geist soll zurückkehren zu Gott, der ihn gab.

 

Eitelkeit über Eitelkeit, sagt der Prediger, alles ist Eitelkeit.

Und weil der Prediger weise war, lehrte er die Leute Wissen. Er war sorgsam, und suchte und ordnete viele Sprüche.

Der Prediger suchte akzeptable Worte, und das was geschrieben steht ist aufrecht, Worte der Wahrheit.

 

Die Worte des Weisen sind ein Ansporn, wie gut genietetes Zaumzeug.

Darüber hinaus, mein Sohn, sei versichert: Es gibt kein Ende darin, Bücher zu machen, und viele Studien sind ermüdend für das Fleisch.

Laßt uns hören den Schluß der ganzen Sache: Fürchte Gott, und befolge seine Gebote, denn das ist die ganze Pflicht der Menschen. Für jede Tat, sei sie gut oder schlecht, geheim oder offen, wirst Du Dich vor Gott verantworten.